Seit 4 Monaten bin ich wieder in Deutschland. Ich bin erstaunt, wieviele Leute mitbekommen haben, dass ich ein Semester auf Hawai´i verbracht habe. Reallife-Freunde, Twitter- & Facebook-Freundschaften eh klar, aber auch viele, die ich seit Jahren nicht gesehen habe, die nicht auf FB unterwegs sind, mich zufällig in der Stadt treffen und wissen wollen: „Na, erzähl mal, wie war´s?“
Ich könnte von so vielem erzählen. Von Wohnungsbetrügern im 17. Stock mit Blick auf den Pazifik, von Milch für 10$, von grünen Vulkan-Bergen, von paradiesischen Stränden, von meterhohen Wellen, von Surfern und Bodyboardern, von Polynesiern, Samoanern, Kaliforniern. Von Burgern & Sushi. Von den zwei Stränden vor meiner Haustür. Von neuen Freunden. Von Sommerkleidern und FlipFlops und Blumen im Haar, von den chilligsten Busfahrern der Welt, von Auto-Stau auf einer Insel im Pazifik, von den Nackten bei Halloween. Von der Oberflächlichkeit, der Freundlichkeit, den Obdachlosen. Von Regenbögen, von weissem und gelben und grünen und schwarzen und roten Sand, von Maui, von Hippies, vom Dschungel, von Spinnen, von zentimetergroßen Kakerlaken, von Sonnenuntergängen. Von FrozenYoghurt, von Waikiki, der North Shore, von asiatischen Frauen, die ihre Körper verhüllen um nicht braun zu werden. Von eiskalten Uni-Räumen und verschulten Vorlesungen. Vom Zelten am Strand. Von Cops und Austausch-Kommilitonen. Von Robben, großen Meeresschildkröten und bunten Fischen. Von Haien. Von Walen, die man während des Busfahrens im Meer sieht. Von Obama. Von den satten Farben. Vom Aloha-Feeling, das oft kommerzialisiert wird und das man trotzdem irgendwie mitbekommt (und nicht vergisst). Von Papaya & Mango und Ananas. Davon. Und mehr.
Aber dieses Gefühl was man hat, wenn man oben auf den Klippen ist oder direkt am Wasser, im Wasser, auf dem warmen Sand, während der Pazifik scheinbar endlos vor einem liegt, türkis, hellblau, azurfarben, die Wellen, die verschiedenen Bäume, das unterschiedliche Grün, die Sonne, die auf einen scheint, es warm aber nicht heiss ist, und überall die Farben… wie soll man das jemandem erzählen, der nicht selber dort war?
Manchmal werde ich auch gefragt, wie es war nach Hause zu kommen nach den Monaten, und diese Antwort ist sehr einfach: Kalt! Kalt und grau und eisig. Mitten im kältesten Monat des Jahres von bunten 27-Grad zu -15 geflogen zu werden, und sich zu wundern, fuck, war es immer schon so verdammt grau hier??, war…tja, auch eine Erfahrung. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich die ersten zwei, drei Wochen hinter mich gebracht habe, wach in der Nacht, schlafend am Tag, und mich immer gewundert, wie ich die Winter sonst hier ausgehalten habe, wo die Farben hin sind, warum alle Leute schwarz tragen, wenn doch eh alles so trist aussieht im Winter. Meinen eigenen schwarzen Mantel verflucht. Am liebsten sofort die 24h Stunden auf mich genommen, die es braucht, um von Düsseldorf nach Honolulu zu reisen. Klar, gefreut hatte ich mich auch über das Wiedersehen mit Freunden, Verwandten, Bekannten, dem guten Essen in Deutschland. Aber jedem, der nach HI fährt und seine Rückreise plant, würde ich raten: nicht im Januar. Im Januar aus Hawai´i zurückzukommen ist wie von Avatar in 3D zu einem Film Noir zu wechseln (wo alle Protagonisten sterben und wenn sie nicht sterben leiden sie) und wirklich, es ist einfach in großem Maße uncool. Was hat geholfen? Mein Freund, der mich trotz Jet-Lag, schlechter Laune und „Heimweh“ nach Hawai´i ertragen hat, Bücher, viele Bücher, türkisches Essen. Und das Wissen, dass der Arschloch-Winter bald vorbei sein würde.
Meist weiss ich also gar nicht genau, was ich antworten soll, wieviel die Person hören will, ob die Frage höflich oder ehrlich gemeint ist, und gebe ein „Ach…War super, superschön!“ ab. Vielleicht erzähle ich noch paar Sätze und verweise auf Fotos bei Facebook und Flickr. Und empfehle jedem, selber mal nach Hawai´i zu fliegen.
So geht´s wahrscheinlich jedem, der einige Monate im Ausland verbracht hat. Das Gefühl, etwas erlebt zu haben, was unglaublich cool war, man aber kaum in Worte fassen kann, auch nicht muss, denn im Ernst, so ganz genau will es ja eh keiner wissen. Was einem selber bleibt, sind unglaublich viele Erinnerungen, neue Freunde, ein paar Souvenirs. Und das unbestimmte aber sehr intensive Gefühl, sich bald wieder auf die Reise machen zu wollen, unbedingt. Bevor der nächste Januar kommt. Weil´s spannend ist. Weil man keinen Film Noir mag. Weil man Blut geleckt hat – bzw. in meinem Fall türkisblaues Pazifikwasser.
Foto von Lina Samira©. :)
P.S.: Nicht, dass man mich falsch versteht: In Deutschland zu leben, einem der reichsten Länder der Welt, wo (fast) kein Hunger herrscht & Bildung kostenlos ist, ist ein Luxus, um den einen viele, viele beneiden. Und hier gibt es auch etliches, was ich in den USA vermisst habe (Brot! Cafés, türkische Supermärkte, das Sozialsystem, manchmal sogar die deutsche Gründlichkeit…ach, so vieles). Ich bin froh, dass ich hier wohne. Aber ein doppelter Wohnsitz Köln/Honolulu wäre noch besser. :)